Twin Transformation: Nicht zu viel, nicht zu wenig – genau richtig
Warum eine Strategie nur wirkt, wenn Digitalisierung und Nachhaltigkeit zu einem klaren Kurs verschmelzen – statt als getrennte Programme zu blenden oder zu verwässern.

In vielen Unternehmen passiert gerade etwas Paradoxes: Je größer der Veränderungsdruck, desto mehr Strategien werden geschrieben. Unternehmensstrategie, Nachhaltigkeitsstrategie, Digitalisierungsstrategie – oft sauber formuliert, professionell gestaltet, mit eigenen Roadmaps und KPI-Sets. Und trotzdem entsteht im Alltag nicht mehr Klarheit, sondern mehr Reibung. Denn eine Strategie funktioniert nicht, wenn man zu viele hat – und sie funktioniert genauso wenig, wenn man gar keine hat. Im ersten Fall überwürzt man das System; im zweiten fehlt die Richtung.
Strategie ist wie Salz
Ohne Salz bleibt jedes Gericht flach – man schmeckt die Zutaten, aber es entsteht kein Charakter. Genau so fühlt sich ein Unternehmen ohne klare strategische Leitlinie an: Es gibt Projekte, Programme, Initiativen – aber keine eindeutige Priorisierung, kein gemeinsames „Warum“, keine konsequente Entscheidungskultur. Doch zu viel Salz ruiniert jedes Essen. Und ebenso ruiniert ein Zuviel an Strategien die Steuerbarkeit: Ziele konkurrieren, Verantwortlichkeiten überlappen, Budgets zersplittern, Governance vervielfacht sich. Am Ende schmeckt man nur noch „Strategie“ – aber nicht mehr die Wertschöpfung.
Twin Transformation
Hier setzt die
Twin Transformation an – nicht als zusätzliche Strategie, sondern als Korrektur der Dosierung. Die parallele Transformation in Richtung Digitalisierung und Nachhaltigkeit gilt als einer der entscheidenden Erfolgsfaktoren für die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen. Beide Bereiche beeinflussen sich gegenseitig: Digitale Technologien können Nachhaltigkeitsziele beschleunigen, während nachhaltige Prinzipien Innovation und Akzeptanz digitaler Lösungen fördern. Die
Nachhaltigkeitstransformation bildet die Chance und den Zweck der Digitalisierung – gibt der Digitalisierung ein nachhaltiges Ziel und somit Sinn. Die
Digitale Transformation ist der Hebel zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele. Wer beides strategisch miteinander verknüpft, steigert nicht nur Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit, sondern schafft langfristigen Wert für Unternehmen, Gesellschaft und Umwelt. Das klingt auf den ersten Blick wie eine neue Managementformel – ist in der Praxis aber vor allem eine Entscheidung für Fokus: Digitalisierung und Nachhaltigkeit nicht als zwei getrennte Programme zu betreiben, sondern als ein zusammenhängendes Transformationssystem.
Optimale Beleuchtung
Auch hier hilft eine zweite Analogie: Licht.
Gute Strategie ist wie gutes Licht in einem Raum. Zu wenig Licht – und niemand sieht, was wichtig ist. Dann werden Entscheidungen improvisiert, Prioritäten wechseln, und jede Abteilung beleuchtet das, was ihr gerade nahe liegt. Genau so entstehen Strategie-Silos: Jede Funktion optimiert für sich, weil das gemeinsame Bild fehlt. Doch zu viel Licht blendet. Wer schon einmal ein Foto in grellem Gegenlicht gemacht hat, kennt den Effekt: Überbelichtung. Details brennen aus, Konturen verschwinden, alles wird flach und weiß. In Unternehmen ist es ähnlich, wenn zu viele strategische Leitbilder, Programme, Gremien und Reportings gleichzeitig Aufmerksamkeit verlangen. Es wird so hell, dass niemand mehr sauber unterscheiden kann: Was zahlt wirklich auf unsere Zukunftsfähigkeit ein – und was ist nur Aktivität?
Twin Transformation stellt das Licht wieder richtig ein: nicht mehr Strahler, sondern ein klares, gemeinsames Bild. Denn Digitalisierung ohne Nachhaltigkeitskompass führt häufig zu „Technologie um der Technologie willen“ – viele Tools, wenig Wirkung, Akzeptanzprobleme, regulatorische Nacharbeit. Nachhaltigkeit ohne digitale Hebel bleibt dagegen oft ambitioniert, aber operativ zu langsam: Ziele werden definiert, doch Messbarkeit, Transparenz und Skalierung fehlen. Gerade deshalb gehören beide Themen zusammen. Digitalisierung kann Nachhaltigkeit messbar machen und beschleunigen – durch Daten, Automatisierung, Optimierung. Nachhaltigkeit kann Digitalisierung wirksam machen – weil sie den Use Cases Richtung gibt, Legitimität stärkt und Innovation an reale Bedürfnisse koppelt.
Missverständnisse in der Strategieentwicklung
Das zentrale Missverständnis ist, Twin Transformation als zwei parallele Großprogramme zu interpretieren. Genau dann kippt das Salzfass wieder um: doppelte Roadmaps, doppelte Budgets, doppelte Stakeholder-Kommunikation. Erfolgreich wird Twin Transformation erst, wenn sie den strategischen Kern vereinfacht: eine übergreifende Unternehmenslogik, die digitale und nachhaltige Outcomes gemeinsam denkt – und daraus wenige, harte Prioritäten ableitet.
Wie sieht das konkret aus? Ein pragmatischer Weg beginnt mit einem integrierten Zielbild: Welche zwei oder drei wirtschaftlichen Hebel sind für unser Geschäftsmodell entscheidend (z. B. Marge, Liefertreue, Innovationsgeschwindigkeit, Resilienz)? Und welche Nachhaltigkeitswirkungen sind für Kunden, Regulatorik und Gesellschaft zentral (z. B. CO₂-Intensität, Energie- und Materialeffizienz, Kreislauffähigkeit, Transparenz in der Lieferkette)? Aus dieser Kombination entsteht kein zusätzlicher Strategiestapel, sondern ein gemeinsames Steuerungsmodell: investiert wird in digitale Initiativen, die gleichzeitig messbare nachhaltige Wirkung entfalten – und in nachhaltige Maßnahmen, die digitale Innovation anschieben, statt sie zu blockieren.
Ein Beispiel macht die Logik greifbar: Ein produzierendes Unternehmen mit mehreren Werken steht unter hohem Energiepreis- und Kostendruck und zugleich verlangen Kunden immer häufiger belastbare Nachhaltigkeitsnachweise. In der Vergangenheit existierten zwei Programme nebeneinander: Ein Digitalprogramm mit OEE-Dashboards und Pilotprojekten, und ein Nachhaltigkeitsprogramm mit CO₂-Zielen und Energieaudits. Beide waren gut gemeint, aber in der Umsetzung blieben sie fragmentiert. Das Digitalprogramm optimierte Prozesse, ohne die Emissionswirkung sauber zu quantifizieren. Das Nachhaltigkeitsprogramm definierte Ziele, konnte sie aber operativ nicht schnell genug in den Alltag übersetzen.
Umsetzen der Twin Transfomation
Die Twin-Transformation-Umsetzung startet hier mit einem gemeinsamen Nenner: Transparenz auf Produkt- und Prozessebene. Statt Energieverbrauch nur als Gesamtwert pro Standort zu betrachten, werden Maschinendaten und Energieflüsse so erfasst, dass der Verbrauch pro Linie, Los und Produkt sichtbar wird. Das ist Digitalisierung als Nachhaltigkeitsbeschleuniger : Daten schaffen Messbarkeit, Messbarkeit schafft Steuerbarkeit. Danach werden Optimierungen nicht mehr isoliert nach „Effizienz“ priorisiert, sondern nach kombinierter Wirkung: Was senkt gleichzeitig Kosten, Ausschuss und CO₂? Predictive Maintenance reduziert ungeplante Stillstände und Materialverschwendung. KI-gestützte Produktionsplanung verschiebt energieintensive Schritte in günstigere Lastfenster, ohne Liefertermine zu gefährden. Prozessparameter werden so optimiert, dass Ausschuss sinkt – und damit auch Energie- und Materialverbrauch pro Einheit.
Entscheidend ist dabei nicht nur die Technologie, sondern die Strategie-Dosierung und das Licht der Führung : Statt drei Reportinglinien gibt es ein gemeinsames Portfolio-Board, das Initiativen nach Business Value und Nachhaltigkeitswirkung priorisiert. Statt „alles gleichzeitig“ werden fünf bis acht Use Cases konsequent skaliert. Statt jeder Abteilung ein eigenes Zielsystem zu geben, wird ein KPI-Cockpit etabliert, das die relevanten Kennzahlen verbindet: Durchlaufzeit und Ausschuss neben CO₂-Intensität und Energie pro Einheit. Das Resultat ist typischerweise keine magische Einmalersparnis, sondern eine robuste Fähigkeit: Die Organisation lernt, Wirkung zu messen, Maßnahmen zu skalieren und Entscheidungen konsistent zu treffen – wirtschaftlich und nachhaltig zugleich.
Genau hier liegt die eigentliche Raffinesse der Twin Transformation: Sie ist eine Managementdisziplin, die Komplexität reduziert, statt sie zu erhöhen. Sie verhindert, dass Digitalisierung und Nachhaltigkeit sich gegenseitig neutralisieren – und sorgt dafür, dass beide sich verstärken. Und sie schützt Unternehmen vor zwei klassischen Fehlern: dem „Strategie-Sammelalbum“, in dem jedes Thema eine eigene Strategie bekommt, und dem „Strategie-Vakuum“, in dem viele Aktivitäten laufen, aber kein gemeinsamer Kurs existiert.
Wer Twin Transformation ernst nimmt, muss daher nicht mehr Strategien schreiben, sondern eine bessere: eine, die digital und nachhaltig als zwei Seiten derselben Zukunftsfähigkeit behandelt – richtig dosiert wie Salz, klar ausgeleuchtet wie gutes Licht. Das Team um den renommierten Zukunftsforscher Hartwin Maas unterstützt Sie dabei, Twin Transformation erfolgreich in Ihrem Unternehmen umzusetzen – nicht als zusätzliche Schicht, sondern als integrierte Leitlinie, die Prioritäten schärft, Umsetzung beschleunigt und langfristigen Wert für Unternehmen, Gesellschaft und Umwelt schafft.








